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Bild für Führungskräfte

Wir beeinflussen andere und uns selber und werden beeinflusst, ohne es zu merken. Gemeint sind Erwartungen, aus denen sich selbst erfüllende Prophezeiungen werden. Im Folgen werde ich das ausführlicher beschreiben.

Ein Beispiel
Ein Beispiel ist der Rosenthal Effekt. Zwei Forscher kamen Mitte der 1960er Jahre an eine Grundschule und führten Tests mit den Kindern durch. Zu Beginn des nächsten Schuljahres wurden die Lehrer über die Ergebnisse der Tests informiert. Es gab einige besonders talentierte Schüler.
Nach einem Jahr machten die Forscher wieder Tests. (Übrigens waren es Tests zu logischen und verbalen Kompetenzen.) In der Tat waren die Schulnoten der „Talente“ besser als die der anderen Schulkinder. Allerdings waren zu den „talentierten“ Kindern bewusst falsche Informationen weitergegeben worden. Den Lehrern wurden Talente genannt, die keine waren. Es wurden also bei den Lehrern Erwartungen geweckt. Daraufhin hatten die Lehrer ihr Verhalten gemäß den neuen Erwartungen verändert.
Nicht nur die Schulnoten waren besser, auch die objektiv gemessenen Testergebnisse waren nach einem Schuljahr tatsächlich besser bei den Kindern, an die hohe Erwartungen gestellt wurden.
Die künstlich erzeugten Erwartungen hatten die Lehrer und damit auch die Kinder beeinflusst – im positiven Sinne. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung war entstanden.
Selbst erfüllende Prophezeiungen sind Erwartungen an die Zukunft. Die Person mit den Erwartungen (in unserem Beispiel der Lehrer) stellt sein Verhalten und seine Wahrnehmung entsprechend darauf ein. Das führt dazu, dass diese Erwartung tatsächlich eintritt. Erwartungen werden nonverbal oder indirekt kommuniziert, so dass der Empfänger der Erwartungen (in unserem Beispiel die Schüler) sich danach verhalten kann – ohne diesen Einfluss zu bemerken.

Der Kreislauf

Die einzelnen Schritte in diesem Prozess sind

  • als erstes die (im Experiment erzeugten) Erwartungen der Lehrer an die „talentierten“ Schüler.
  • Als zweites passen die Lehrer ihr Verhalten diesen Erwartungen an. Sie schenken den Schülern mehr Aufmerksamkeit, ermuntern sie, sind geduldiger etc.
  • Im dritten Schritt glauben die Schüler selber daran und nehmen die Erwartungen an.
  • Als letztes zeigen diese Schüler anderes Verhalten und die Lehrer fühlen sich bestätigt.


Der Kreis schließt sich. Dieser Kreislauf funktioniert natürlich auch mit Annahmen über das Scheitern eines Schülers.
Als dieses Experiment in den 1960er Jahren durchgeführt wurde, glaubte man dem Ganzen nicht so recht. Es folgten unzählige weitere Experimente, die den Erwartungseffekt bestätigten. Solche Erwartungseffekte wurden auch bei Führungskräften und ihren Mitarbeitern gefunden.

Erwartungen von Führungskräften

Das Menschenbild und die Erwartungen, die eine Führungskraft an seine / ihre Mitarbeiter hat, prägen den Umgang mit den Mitarbeitern und prägen daraufhin das Verhalten der Mitarbeiter.
Allen Erwartungen gemeinsam ist, dass sie die Realität mitgestalten. Die Erwartungen erfüllen sich, weil sie (nonverbal) kommuniziert werden, sie schaffen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Welches Mitarbeiterbild hat eine Führungskraft und welche Annahmen über die Mitarbeiter sind damit verbunden? Glaubt eine Führungskraft, seine Mitarbeiter sind eher an materiellen Vorteilen interessiert oder sieht sie bei ihnen Eigeninitiative und Autonomie? Sind die Mitarbeiter für die Führungsperson eine planbare Konstante oder stehen eher die Unterschiede der Mitarbeiter im Blickfeld? Es gibt viele verschiedene Erwartungen an Mitarbeiter – und sie wirken über die Zeit.

Erwartungen als Führungsinstrument?

Für Führungskräfte ist deshalb von Bedeutung, eine positive Erwartungshaltung ihren Mitarbeitern gegenüber zu haben, um gute Leistungen zu erhalten. Ich fürchte nur, dass das kein Instrument ist, das man anwenden kann wie irgendein Werkzeug. „Ich sage jetzt mal allen, dass sie die Besten sind.“

    • Übertreibungen wirken unecht und wenig glaubwürdig.
    • Es braucht viel Zeit, bis die positiven Effekte von aufbauenden Erwartungen zu erfahren sind.
    • Es wird nur funktionieren, wenn eine ehrliche Überzeugung dahinter steht.


Wenn man also einem anderen Menschen etwas Motivierendes sagt und eigentlich das Gegenteil denkt, wird es nicht funktionieren. Erwartungen und sich selbst erfüllende Prophezeiungen sind kein Trick. Sie sind ein psychologischer Effekt in der Kommunikation zwischen Menschen. Mitarbeiter (oder Schüler) werden zu dem, was von ihnen erwartet wird und was sie deshalb auch von sich selber denken und von sich glauben. 

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