Persönlichkeitsentwicklung: sich verändern (6)

 

Die Lücke schließen

Wir feiern den Sommer und wir feiern unsere Veränderung. Die Umsetzungsphase hat in Text (5) begonnen und geht hier weiter. Beim letzten Mal ging es um den Ist- und Soll-Zustand unseres Verhaltens. Der nächste Schritt ist, diese Lücke zwischen aktuellem Verhalten und unserem Ziel zu füllen.

Die Lücke füllen, Zeit für eine Sommersonnenwende

Vom Ist- zum Soll-Zustand: Man muss genau auf die Mechanismen schauen, die einen abhalten, sein Verhalten zu ändern. Dabei ist es wichtig, das eigene Denken und Handeln zu sehen, nicht das der anderen.

Beispielsweise sehe ich, dass die anderen Familienmitglieder mit ihren Aufträgen zu mir kommen, und ich dadurch nicht zum Sport komme. Meine Aktivität dabei ist: Ich lasse mich darauf ein, ich lasse es zu, dass die anderen mir Aufträge geben. Oder: Es ist bei der Arbeit so viel zu tun, wenn ich endlich aufhöre, ist es zu spät zum Joggen. Meine „Handlung“ liegt darin, keine klare Grenze zu setzen, nicht auf die Uhr zu schauen, mich in der Arbeit zu verlieren oder ähnliches. Und plötzlich ist wie von Zauberhand die Zeit vergangen. Natürlich geschieht nichts von Zauberhand, sondern weil wir an irgendeiner Stelle nicht die Verantwortung übernehmen und auf das achten, was uns wichtig ist. Das ist also unsere Sommersonnenwende im Veränderungsprozess: Wir übernehmen die Verantwortung für das, was in unserem Leben von Bedeutung ist.

die Lücke füllen
Schließen wir die Lücke
Zeit für eine Wende

Es geht darum Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und das ist ein zweischneidiges Schwert. Die eine Seite ist die Belastung (noch mehr Verantwortung), die andere Seite ist, Verantwortung als Herausforderung zu sehen. Wir können daran wachsen. Mit anderen Worten: Die eine Seite des Schwertes ist die Abgabe von Macht über unser Leben (an die Zeit, andere Familienmitglieder, den Chef…), die andere ist das macht- und energievolle Agieren in unserem Leben und für uns.

Falle: Sonnenbrand
Fallen warten überall
Sonnenbrand und andere Fallen

Man muss auf so viele Dinge achten, nicht nur im Sommer und nicht nur das Eincremen bei Sonnenschein bedenken. Es warten immer wieder Fallen auf uns, so dass wir nicht zum Ziel kommen, also z.B. nicht zum Sportstudio gehen. In welche Falle gehen wir also? Eine genaue Situationsbeschreibung kann helfen, das Muster zu entdecken, das sich in unserem Leben wiederholt. (In unseren Beispielen (siehe auch Text 5) sind es die Anfragen der anderen Familienmitglieder oder das Vergessen der Zeit.)

Wenn wir entdeckt haben, wo die Falle sitzt, in die wir hinein gehen, ist der nächste Schritt, diese Falle zu hinterfragen: Was macht die Falle für uns so attraktiv, was gewinnen wir? Oder warum ist es an einer bestimmten Stelle so schwer, Verantwortung zu übernehmen? Es geht darum, das Motiv zu finden, das die Falle für uns unsichtbar macht.

In Bezug auf die vorangegangenen Beispiele könnten es folgende Motive sein:

  • Wir nehmen Aufträge der Familie an, weil wir zuhause Harmonie und keinen Streit wünschen oder weil es eh niemand außer uns so gut richten kann. Oder weil wir dadurch ein schnelles Erfolgserlebnis haben etc.
  • Wir arbeiten zulange und vergessen die Zeit, um am nächsten Tag Anerkennung dafür zu bekommen – von Kollegen, vom Chef oder auch von uns selber („Was ich wieder alles geschafft habe!“). Oder wir sind gerne hilfsbereit und unsere Arbeit hilft anderen weiter. Oder das Thema der Arbeit ist so spannend und wir sind eh die Experten dafür. Also werden wir noch besser in unserem Lieblingsthema. Oder wir müssen sicherstellen, dass sich kein Fehler einschleicht, also lieber alles zweimal überprüfen.

Wenn die Falle deutlich geworden ist, wir unser Motiv hinterfragt haben, dann kommt die Frage auf uns zu: Was möchte ich wirklich? Vielleicht ist der Familienfrieden wichtiger als das Sportstudio. Wir können aber auch mit der Familie in Verhandlung gehen und um Unterstützung für unser Sport-Projekt bitten. Vielleicht ist die Anerkennung der Kollegen Labsal für unsere Seele, auf das wir nicht verzichten möchten. Oder wir holen uns auf andere Weise Anerkennung von den Kollegen/ dem Chef.

Wenn wir die Falle, unsere Motive und das wirkliche Ziel sauber für uns analysieren können, ist es einfacher, eine Gegenmaßnahme zu finden, so dass wir nicht „dem Zufall“ ausgeliefert sind.

wir sind verletzlich
unsere Verletzlichkeit
Sommer, Sonne, Selbst

Wir verändern uns, so wie sich in der Natur ständig etwas bewegt. Unsere Verletzlichkeit fordert jedoch besondere Sorgfalt und Aufmerksamkeit für das Selbst.

Im Text (5) sprachen wir über die Ehrlichkeit uns selbst gegenüber, wenn wir unser Verhalten beobachten. Wir brauchen außerdem die Fähigkeit, Dissonanz und Chaos auszuhalten: Wir widersprechen uns vielleicht vorübergehend, oder das Leben läuft nicht mehr in den gewohnten Bahnen. Das mag schwer auszuhalten sein, gehört aber zum Veränderungsprozess dazu. Die üblichen Routinen wollen bestehen bleiben, also braucht es eine gewisse Erschütterung dieser Routinen.

Unsere Anpassungsbereitschaft hilft, uns immer wieder auf neue Situationen einzustellen, dazu zu lernen und das Durcheinander in der Veränderung unseres Verhaltens auszuhalten. Die Zeit der Veränderung ist eine Zeit, in der wir verletzlich sind, also noch einmal: Haben Sie Mitgefühl mit sich selber (aber kein Mitleid, das nimmt Ihnen alle Energie).

Die heiße Phase der Veränderung

Der Sommer ist da und mit ihm die Wärme – aber auch Gewitter oder Stürme. Entsprechend kann das Veränderungsprojekt Turbulenzen bringen. Wir brauchen die Wärme und Sonne, oder anders ausgedrückt, wir brauchen Wohlwollen und Verständnis für uns selber, wenn es bei der Veränderung mal hagelt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen hilfreiche Erkenntnisse bei der Wahrheitssuche sowie inneren Sonnenschein und Selbst-Mitgefühl für die stürmische Zeit des Veränderungsprojektes.

die heiße Phase des Sommers

Dr. Beate Klutmann

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