„Wie sag ich es ihm?“

Anderen etwas Kritisches sagen, ist immer unangenehm. Schweigen ist auch keine gute Alternative. Die richtigen Worte und ein angemessener Tonfall helfen eher.

In diesem Artikel geht es um Feedback-Regeln, ein Thema, dass häufig in Seminaren vermittelt wird. Aber auch Klassiker können in Vergessenheit geraten. Und es ist gut, auf Regeln zurückgreifen zu können, wenn eine Situation emotional ist oder werden könnte. Andererseits: Es gibt sehr viele Feedback-Regeln und das kann verwirren bzw. im entsprechenden Augenblick fällt einem keine der Regeln ein. Lieber also ein bis zwei Regeln kennen und üben, damit sie auf natürliche Art in einem heiklen Gespräch erscheinen können.

Von jemand anderem zu hören, wie man gesehen wird, ist heikel – manchmal sogar, wenn es um eine positive Rückmeldung geht. Jemand anderes sieht etwas bei mir, das ich nicht bemerkt habe! Oder aber es klingt, als verkünde der andere eine Wahrheit über mich! Bei Rückmeldungen geht es darum, ins Gespräch zu kommen, einem anderen Menschen zu sagen wie er wirkt ohne jedoch die Beziehung zu gefährden. Das erfordert Fingerspitzengefühl und eben ein paar Regeln.

Kritik geben und annehmen

Vorbereitung

Eine Vorbereitung hilft einem selber und ermöglicht einen guten Gesprächsverlauf. Das heißt, man macht sich vorab Gedanken über die Situation und das Ziel. Man kann sich selber Fragen stellen, um die Situation für sich zu klären: Welchen Anlass gibt es, und in welcher Stimmung bin ich? Was empfinde ich, wenn ich an den anderen Menschen denke? Wichtig ist auch, sich darüber im Klaren zu sein, welche Fakten es bei dem Gespräch gibt, und was Vermutungen, Meinungen oder gar Gerüchte sind.

Das Ziel eines solchen Gespräches sollte sein, die Gedanken und Informationen frei fließen zu lassen. Das geschieht eher, wenn sich alle am Gespräch beteiligten sicher fühlen – sicher genug, um eine abweichende Meinung zu äußern. Das Problem ist hierbei, dass wir alle unterschiedliche Lebensgeschichten, unterschiedliche Meinungen und auch Empfindlichkeiten haben. Damit also ein Gespräch erfolgreich verläuft, müssen sich alle (halbwegs) wohl und sicher fühlen, selbst wenn es ein Kritikgespräch ist. Denn es wird vermutlich darum gehen, mit dem anderen weiterhin zusammen zu arbeiten, sich zu treffen, sich zu unterhalten etc.

Verschiedene Menschen, viele Meinungen,
unterschiedliche Empfindlichkeiten

Es könnte also gut sein, sich auch im Klaren darüber zu sein, welche Ziele man „heimlich“ verfolgt. Möchte ich vielleicht den anderen zur Schnecke machen, weil ich Dampf ablassen muss? Habe ich insgeheim vor, pädagogisch zu wirken und die Kollegin oder den Freund zu einem besseren Menschen zu erziehen? Ich vermute, das wird dann ein Gespräch von oben nach unten, man blickt auf den anderen herab. Das könnte Widerstand oder den Rückzug des Gesprächspartners hervorrufen.

Im Gespräch

Nun also die angekündigten Feedback-Regeln. Ich habe für mich Lieblings-Regeln ausgewählt und die in ruhigen Situationen geübt, um im Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Starten wir mit Ich-Botschaften: Wenn ich jemandem mal etwas Kritisches sagen muss, dann spreche ich von mir selber. Ich sage, z.B. welchen Eindruck ich vom anderen habe, wie er / sie auf mich wirkt, welche Gefühle das in mir auslöst. Ich rede also nicht über den anderen (gebe eine Diagnose oder Interpretation ab), sondern ich spreche über meine Wahrnehmung.

Damit der andere weiß, es geht um Verhalten, nicht um die ganze Person, versuche ich, konkretes Verhalten zu benennen. Ich nenne Beobachtungen oder spreche eine Bitte aus, dieses oder jenes Verhalten zu ändern.

Es kann auch hilfreich sein, nicht nur Kritik, sondern auch positives Verhalten zu nennen, dem anderen zu sagen, was man an ihm oder ihr schätzt.

Natürlich geht es auch andersherum: Ich empfange eine Rückmeldung. Auch hierfür gibt es Regeln. Ich höre zu und lasse es auf mich wirken. Das ist nicht einfach, vor allem, wenn der andere die Feedback-Regeln nicht benutzt und drauf los poltert. Aber in beiden Fällen (Feedback geben und annehmen) gilt: Was gesagt wird, ist nicht die Wahrheit, sondern ein Eindruck. Aber zugegebenermaßen: Es ist schwer, keine Verteidigungsrede zu halten. Trotzdem versuche ich, mich nicht zu Erläuterungen oder Rechtfertigungen hinreißen zu lassen, denn wann hört man schon mal eine ehrliche Meinung über sich?

Zuhören will gelernt sein

Teil einer guten Kommunikation ist also das Zuhören. Leichter gesagt als getan, denn es bedeutet, den Gedanken und die Einstellung meines Gesprächspartners zu begreifen. Ich versuche, die Welt von seiner oder ihrer Warte aus zu betrachten. Das setzt voraus, dass ich meine Bedürfnisse, Meinungen und Urteile nicht sofort ins Gespräch einfließen lasse. Um sicher zu gehen, dass man die Worte des anderen erfasst hat, kann man mit eigenen Worten wiederholen, was der andere gesagt hat.

Wenn alle Stricke reißen und das Gespräch keinen guten Verlauf nimmt, kann man das Gespräch unterbrechen, um die Aufmerksamkeit auf den Ablauf des Gespräches zu lenken. Es geht dann nicht mehr um die Inhalte direkt, sondern darum, wie miteinander kommuniziert wird (Metakommunikation). Man diskutiert die Art der Besprechung und den Umgang miteinander. Zum Beispiel könnte man darauf hinweisen, dass das Gespräch sich im Kreis dreht, eine ganz andere Richtung eingenommen hat oder das Ziel aus den Augen verloren wurde. Beide Seiten können sich darum bemühen, die (Gesprächs-)Türen wieder zu öffnen.

Soweit die Theorie, in der Praxis läuft es alles bekanntlich ganz anders. Aber mit der Zeit und der Übung wird man recht geschickt darin, ein gutes Kritikgespräch zu führen.

Hinterlasse einen Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht