„Da habe ich keine Lust drauf!“

Seelischer Stromverbrauch (2)

Machmal hat man einfach keine Lust. Aber durch Widerstand können wir uns Energie wegnehmen, ein weiteres Beispiel dafür, wie man sich selber den Stecker raus zieht.

Das Problem entsteht, wenn ich etwas machen muss, zu dem ich keine Lust habe. Da ist die erste Frage: Woher kommt das ‚muss‘?

  • Sind es meine Ansprüche an mein Leben, mich selber?
  • Bin ich Verpflichtungen eingegangen, die ich halten möchte?
  • Kommt der Druck von außen (Chefin, Schwiegervater…)?
  • Ist es mein Gewissen oder die Vernunft, die mir das einflüstern?
  • Gibt es körperliche, gesundheitliche Notwendigkeiten?
  • Ist es eine Regel, Routine oder ein ungeschriebenes Gesetz?
  • ….

Wo immer auch das Muss herkommt, an das ich mich gebunden fühle, ich kann es noch einmal hinterfragen: Muss ich es wirklich tun? Was würde geschehen, wenn ich es nicht täte?

Beispiele

Füllen wir dieses Vorgehen mit Beispielen, dann könnte ein inneres Selbstgespräch folgendermaßen aussehen:

A: Ich muss dringend meine Wohnung putzen! Woher kommt mein Muss? Nun, ich bin so erzogen worden, es ist eine Art Gesetz für mich, es einmal die Woche zu tun. Aber: Muss ich es wirklich tun? Was würde passieren, wenn ich meine Wohnung jetzt nicht putze? Ich würde mein persönliches Gesetz brechen (was nicht so schlimm wäre). Aber dann hätte ich erst wieder in einer Woche Zeit, das zu tun. Wirklich? Was wäre, wenn ich mich 1-2 Stunden ausruhen und danach putzen würde? Was wäre, wenn ich jeden Tag eine halbe Stunde putzen würde?

B: Ich habe versprochen, meine Nachbarin im Krankenhaus zu besuchen. Aber ich gehe überhaupt nicht gerne ins Krankenhaus; ich versprach es ihr, um sie zu trösten. Woher kommt das Muss? Ich bin ein Mensch, der sein Versprechen einhält! Was würde passieren, wenn ich es nicht täte? Ich würde mich in meiner eigenen Haut nicht wohl fühlen.

Entscheiden: ja oder nein?

Weggabelung

Nach dieser ersten Etappe sind wir also an einer Weggabelung angekommen, an der es einen Nein – und einen Ja -Weg gibt. Nein, eigentlich muss ich es nicht tun oder nicht jetzt sofort. Oder: Ja, ich muss es tun, weil die Konsequenzen noch unangenehmer für mich sind als die Aktion selbst. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir automatisch ganz viel Lust haben, die Pflicht zu erfüllen.

 

Leicht oder schwierig

Nun kann es leicht oder schwierig werden. Mit ‚leicht‘ ist gemeint: Ich habe eine unangenehme Aufgabe vor mir, bewege mich aber durch die Aussicht auf eine selbst gesetzte Belohnung. ‚Schwierig‘ bedeutet, ich habe dauerhaft Aufgaben übernommen, die ich nicht mag.

Man kann sich nun selber den Stecker ziehen und das letzte bisschen Energie nehmen, indem man sich immer wieder sagt, wie unangenehm das ist. Man bedauert sich selber und schimpft auf den oder das, was einem im Weg steht. Oder man ist diffus wütend und denkt nicht weiter darüber nach. Es wird zum Dauerzustand.

Da habe ich keine Lust drauf, da habe ich keine…

Wiederholungsschleife

Es wäre viel schlauer mit dem Fluss des Lebens zu ziehen, anzunehmen, was ist, und ganz entspannt die Pflicht zu erfüllen ohne die Wiederholungsschleife „Da habe ich keine Lust drauf!“ im Kopf laufen zu lassen. Mit der wiederholten Beschäftigung mit dem Ärger sammelt sich nur Groll in einem an. Und das ist langfristig nicht gesund.

Hindernis

Entspannt die Aufgabe erledigen – genau das gelingt einem nicht (immer).Man ist im Widerstand. Wo also lässt sich ein Hebel ansetzen, der einem aus der Misere heraushilft? Welche innere Barriere muss beseitigt werden? Folgende Hindernisse fallen mir ein:

Innere Barrieren
  • Dilemma: Ich möchte etwas Bestimmtes erreichen, es gibt einen dahinterliegenden Zweck. Aber meine Lebensziele, -werte sind eigentlich andere.
  • Motiv: Was treibt mich an? Bin das wirklich ich oder mache ich es für andere? Suche ich vielleicht eigentlich eine Gegenleistung dafür?
  • Beweis: Ich möchte der Welt etwas beweisen (wie toll, einzigartig ich bin…).
  • Meine Verantwortung: Ich mache es, weil andere es so wünschen (z.B. meinen Eltern zuliebe); ich habe keine Verantwortung dafür übernommen. Meine eigenen Interessen verleugne ich.
  • Umsetzung: Der Weg, das Transportmittel, die Arbeitsweise, -mittel oder die Organisation gefallen mir nicht.
  • Politik: Ich bin nicht einverstanden mit der dazugehörigen Politik, den Umständen, Strukturen, Regeln oder Gepflogenheiten, die ich nicht ändern kann.
  • Experte: Ich bin der Experte für diese Aufgabe! Die anderen würden es nicht gut genug machen, also muss ich es tun.
  • Prozess: Ich will den dazugehörigen Prozess nicht aus den Augen lassen. Wenn ich nicht alles kontrolliere….
  • Sorge: Wer weiß, was alles passiert, wenn ich es nicht tue….
  • Versäumnis: Ich könnte etwas verpassen, wenn ich es nicht täte.
  • Emotion: Eine unangenehme Emotion aus Kinderzeiten liegt quer.

Auf dem Weg zur Lösung

Die Liste der Hindernisse ist vielleicht nicht vollständig, aber sie mag inspirieren sich weitere Gedanken zu machen und die für einen persönlich passende Barriere zu finden. Es könnte sein, dass in dem Augenblick, in dem man die für einen zutreffende innere Barriere findet, sich der gesamte Körper entspannt. (Ich vermute allerdings, das passiert nicht beim Lesen sondern eher, wenn man sich die Zeit und Ruhe nimmt, nach innen zu gehen und dort nachzuspüren, was los ist.)

Das Problem mag noch nicht gelöst sein, aber man ist einen Schritt weiter. Vielleicht kann man sich nun etwas leichter an die Aufgabe machen. Möglicherweise ist ein neutraler Gesprächspartner hilfreich, wenn man alleine nicht weiter kommt. Mit ‚neutral‘ ist gemeint, die andere Person überredet mich nicht, zwingt mir nicht ihre Sichtweise auf, und hält sich mit Urteilen, Diagnosen und Interpretationen zurück. Sie ist mir vielmehr ein Spiegel, durch den ich mein Anliegen klarer sehe.

In jedem Fall geben Sie sich selber Energie, in dem Sie sich auf die positiven Aspekte konzentrieren. Wo sitzt der Spaß bei der Aufgabe? Was ist das Angenehme bei der Verpflichtung? Welche Vorteile hat das Ganze langfristig? Daraus können Sie Kraft schöpfen. Das mag banal klingen: Ich denke nicht daran, dass ich keine Lust habe, sondern konzentriere mich auf das Vergnügen. Der Witz an der Sache liegt auch nicht beim Lesen und Verstehen, sondern darin, den beschriebenen Prozess in sich durchlaufen zu lassen, sich das also zu erarbeiten.

Auf dem Weg zur Lösung

 

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