„Ich war’s nicht!“

Die Übernahme von Verantwortung im Alltag

Wie so vieles im Leben hat auch das Thema Verantwortung eine Licht- und eine Schattenseite. Die Übernahme von Verantwortung ist z.B. mit Belastungen und vielleicht auch Fehlern verbunden; die helle Seite bedeutet unter anderem Chancen Neues zu lernen.

Die dunkle Seite der Verantwortung

Die Schattenseite ist mit den Mühen verbunden, die die Übernahme von Verantwortung mit sich bringt. Man müsste auf Freiheit verzichten und könnte womöglich auch zur Verantwortung gezogen werden, wenn man einen Fehler macht.

Wenn ich hier ausrutsche, ist die Banane schuld.

Vor einigen Jahren las ich in der Zeitung, dass jemand eine Süßigkeiten – Firma verklagt hat, weil derjenige von den Süßigkeiten krank geworden war. Die Person hatte täglich eine 400gr. Tüte Süßigkeiten gegessen. Also ist der Hersteller Schuld, dass der Käufer nun krank ist, oder?! Ich vermute, hier ging es indirekt darum, sich selber nicht einzugestehen, dass 400gr Süßes jeden Tag keine gute Form der Ernährung ist sondern vielmehr krank macht.

Manche Menschen würden es durchaus schaffen, Verantwortung zu übernehmen, das tun sie aber nicht. Warum nicht, was könnte Menschen hindern, verantwortlich zu agieren? Einige Beispiele sollen hier aufzeigen, was Menschen stoppt eine Verpflichtung zu übernehmen oder sich bei einer Aktion zuständig zu fühlen.

Zum einen möchte man Konsequenzen vermeiden:

  • Man möchte sich nicht schuldig fühlen oder Schuld zugesprochen bekommen.
  • Man möchte die Bestrafung vermeiden, die eventuell zu erwarten ist. Entweder andere Menschen bestrafen einen tatsächlich, oder man bewertet Situationen als Bestrafung für das was man getan hat. Das ist dann die Logik, nach der Kinder manchmal erzogen werden: „Wenn Du den Teller nicht aufisst, dann regnet es morgen“ oder … die Kinder in armen Ländern müssen hungern.“
  • Ganz allgemein will man keinen Fehler machen bzw. sich keinen Fehler eingestehen.
  • Eine Aufgabe ist mit einer Belastung, mit Mühen verbunden, was man vermeiden will.
  • Der mögliche Verlust des Gefühls von Freiheit bremst die Übernahme einer Pflichterfüllung. (Wie frei man dabei wirklich ist, ist eine andere Frage…)

Zum anderen traut man sich etwas nicht zu:

  • Man nimmt sich selber als inkompetent wahr. (Darüber weiß ich nichts, kann ich nicht, ich bin nur Mittelmaß.)
  • In einem ist ein allgemeines Gefühl der Ohnmacht. (Mir ist noch nie was geglückt, ich bin zu schwach dafür, wie soll ich das denn anstellen?)
  • Keine Erfahrung der eigenen Wirksamkeit (Das schaffe ich nicht, mir gelingt eh nichts, da kann ich mich noch so sehr anstrengen.)

Die Beispiele zeigen die ganz menschliche Seite der Verantwortungsübernahme, jedem kann es mal so gehen. Der Nachteil bei der Sache liegt darin, dass man auch nichts Großes erreicht, dass man die Vorteile der hellen Seite der Verantwortung nicht gewinnt.

Nichts ist unmöglich!

 

Die helle Seite der Verantwortung

Die Vorteile des Themas Verantwortung liegen in den Gestaltungsmöglichkeiten, den Chancen Einfluss zu nehmen, daran innerlich zu wachsen, zu reifen. Ich übernehme die Verantwortung für eine größere Aufgabe, ich mache Fehler, aber das ist meine Chance, daraus zu lernen und persönlich weiter zu kommen.

Nehmen wir also an, jemand möchte Verantwortung übernehmen, scheut nicht die damit verbundenen Mühen – weiß aber nicht, wie er oder sie es angehen soll. Was könnte helfen zu lernen Verantwortung zu übernehmen, wenn man es möchte, aber sich nicht so recht traut?

Machen wir zunächst einen kleinen Ausflug in die Welt der Verursachung: Wo wird die Verursachung eines Ereignisses gesehen? In manchen Situationen erlebe ich mich selber als Urheber einer Reaktion, als Verursacher. Ich habe etwas bewirkt, das ich auch erreichen wollte. Beispielsweise beschwere ich mich bei Nachbarn über zu laute Musik und die Musik wird leiser gestellt. In anderen Situationen erlebe ich, dass ursächliche Kräfte außerhalb meiner Person liegen. Ich selber sehe mich als Spielfigur größerer Mächte (anderer Personen, Zufall, besonderer Bedingungen, auf die ich keinen Einfluss zu haben scheine). Die Musik ist zu laut, aber ich bin mir sicher, es hat gar keinen Zweck zu den Nachbarn zu gehen, und sie darum zu bitten, die Musik leiser zu stellen. Das machen die sowieso nicht. (Ich habe in meinem bisherigen Leben gelernt, dass ich nichts ausrichten kann. Also probiere ich es erst gar nicht.)

Persönliche Verursachung

Natürlich ist das Gefühl persönlicher Verursachung viel motivierender, um eine Aufgabe in Angriff zu nehmen, als wenn ich daran glaube, dass ich nur eine Spielfigur im Leben bin. Menschen haben ein Bedürfnis, dass das, was sie tun auch die Wirkung zeigt, die sie beabsichtigten. Aber dafür muss man sich selber als Verursacher wahrnehmen können.

Nehmen wir als Beispiel einen jungen Menschen, der im Rahmen seiner Ausbildung eine bestimmte Aufgabe erfüllen muss. Er weiß nicht genau, wie er das angehen soll, aber es gehört zur Ausbildung eben dazu. Es wäre jetzt gut so zu agieren, dass man sich selber als Verursacher wahrnimmt. Was gehört dazu?

Entscheidungen: Ziele setzen und Verhalten benennen
  • Man muss sich selber Ziele setzen, die man auch gut erreichen kann. („Ich sammle erst einmal alle Regeln und Bedingungen, die zur Aufgabenerfüllung gehören. Danach kommen die anderen Schritte.“)
  • Dazu sollte man seine Stärken und Schwächen kennen. („Ich bin oft vergesslich, besser, ich schreibe alles auf, was ich höre oder lese zum Thema.“)
  • Eine weitere Voraussetzung ist es, präzise Verhalten benennen zu können, das zum Erreichen der Ziele führt. („Ich muss einen guten Plan machen, den mit meiner Chefin abstimmen, vielleicht noch etwas korrigieren, danach probiere ich den ersten Schritt einmal aus, muss ja noch nicht perfekt sein. Danach…“)
  • Und man benötigt eine Rückmeldung darüber, ob man sein Ziel tatsächlich erreicht hat. („Zum Schluss frage ich meine Chefin, ob alles richtig war oder ich gehe zu älteren Kollegen, die sich auskennen.“)

Um Verantwortung übernehmen zu können, ist es wichtig, sich nicht als Spielfigur des Lebens wahr zu nehmen, sondern als jemand, der etwas verursachen kann. Vielleicht habe ich im bisherigen Leben gelernt, dass ich nicht viel ausrichten kann, aber ich kann mir und meinem Leben immer mal wieder eine neue Chance geben.

Erstmal eine andere Wahrnehmung

Eine andere Wahrnehmung, ein anderes Vorgehen

Veränderungen starten mit einer anderen Wahrnehmung, das heißt, als allererstes kann man sich auf das konzentrieren, was einem gelingt. Man könnte eine Woche lang jeden Abend aufschreiben, was einem an diesem Tag gelungen ist – nicht durch Zufall, sondern weil man es bewirken wollte. Die Aufmerksamkeit wird auf das gelenkt, was positiv ist, wo es schon gut läuft.

Die anderen Zutaten für das Gelingen eines neuen Weges zur Verantwortungsübernahme sind eine eigenständige Zielsetzung und das selbständige Bestimmen der dafür notwendigen Handlungen. Man benötigt eine gute Realitätsauffassung (man macht sich also selber nichts vor oder gibt sich schönen Illusionen hin) und eine gewisse Portion Selbstvertrauen. Damit kann man sich dann auch selber verantwortlich für die Konsequenzen des eigenen Handelns fühlen. („Ich habe einen Fehler gemacht? Okay, das ist nicht schön, aber auch kein Weltuntergang. Ich achte zukünftig drauf, dass es mir nicht mehr passiert.“). Ein weiterer Bestandteil ist die Erwartungshaltung, dass man Ereignisse steuern und beeinflussen kann. (Das wurde bereits „geübt“, indem die Wahrnehmung auf das gelenkt wurde, was man kann und wo man Einfluss hat – s.o.)

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